{"id":12730,"date":"2017-07-09T10:26:12","date_gmt":"2017-07-09T08:26:12","guid":{"rendered":"https:\/\/grandgourmand.de\/veritable-17-ein-interview-mit-philipp-kiefer\/"},"modified":"2017-07-09T10:26:12","modified_gmt":"2017-07-09T10:26:12","slug":"veritable-17-ein-interview-mit-philipp-kiefer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/grandgourmand.de\/en\/veritable-17-ein-interview-mit-philipp-kiefer\/","title":{"rendered":"v\u00e9ritable 17: Ein Interview mit Philipp Kiefer"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_6741\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/grandgourmand.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/veritable17241.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6741\" class=\"wp-image-6741 size-large\" src=\"https:\/\/grandgourmand.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/veritable17241-1024x685.jpg\" alt=\"Mathias Guthmann im Interview mit Philipp Kiefer, Foto: Tom Mettendorf\" width=\"1024\" height=\"685\" srcset=\"https:\/\/grandgourmand.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/veritable17241-1024x685.jpg 1024w, https:\/\/grandgourmand.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/veritable17241-300x201.jpg 300w, https:\/\/grandgourmand.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/veritable17241-250x167.jpg 250w, https:\/\/grandgourmand.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/veritable17241-768x514.jpg 768w, https:\/\/grandgourmand.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/veritable17241-600x402.jpg 600w, https:\/\/grandgourmand.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/veritable17241-1536x1028.jpg 1536w, https:\/\/grandgourmand.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/veritable17241-810x542.jpg 810w, https:\/\/grandgourmand.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/veritable17241-1140x763.jpg 1140w, https:\/\/grandgourmand.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/veritable17241.jpg 1772w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6741\" class=\"wp-caption-text\">Mathias Guthmann im Interview mit Philipp Kiefer, Foto: Tom Mettendorf<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n[typography font=&#8221;Abril Fatface&#8221; size=&#8221;20&#8243; size_format=&#8221;px&#8221; color=&#8221;#e1cca1&#8243;][dropcap]P[\/dropcap][\/typography]hilipp Kiefer war 2015 Deutschlands bester Jungwinzer. Im pf\u00e4lzischen St.Martin ist es ihm gelungen Weine anzubauen, die auch mit den ganz Gro\u00dfen mithalten k\u00f6nnen. Er ist zusammen mit Uwe Warnecke einer der Organisatoren der v\u00e9ritable, wo sich Jahr f\u00fcr Jahr die Top-Winzer der Branche ein Stelldichein geben.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\">GG<\/span>: Lieber Philipp, Sie sind der kreative Kopf hinter der Ambrosia-Linie, auf Ihrer Website kann man lesen, dass Ihr Riesling, den Sie zusammen mit Lars Lander entwickelt haben, ewige Jugend verleihen soll. Ich pers\u00f6nlich finde, dass der Anspruch absolut in Ordnung geht.<\/p>\n<p>Aromen, Ger\u00fcche und Geschmack sind ja unmittelbar mit unseren Erinnerungen verbunden, und diese Erinnerungen halten uns ja auch jung.<\/p>\n<p>Unsere Frage: Gibt es da eine Dosierungs-Anleitung? Funktioniert das schon mit einer einzigen\u00a0 Flasche oder muss man gr\u00f6\u00dfere Mengen davon trinken um diese wunderbare Wirkung zu erzielen?<\/p>\n<p><span style=\"color: #99cc00;\">Philipp<\/span>: (lacht) Man muss den Riesling schon in rauen Mengen trinken, am besten Magnum Flaschen!<\/p>\n<p>Wir bauen die Rieslinge ja so aus, wie sie von der Natur erwachsen, wir belassen die S\u00e4ure, in der Jugend sind sie deswegen etwas rauer, verschlossener, sie werden spontan angegoren. Sie haben eine etwas h\u00f6here S\u00e4ure, sie brauchen das aber auch, weil sie etwas \u201estoppig\u201c sind und viel Frucht haben. Dagegen stehen Argumente wie Mineralik, S\u00e4ure und Holz, die Weine sind sehr langlebig, auch weil die St\u00f6cke ausgezeichnet sind.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\">GG<\/span>: Das ist sehr komplex was da im Weinberg vor sich geht\u2026<\/p>\n<p><span style=\"color: #99cc00;\">Philipp<\/span>: Wir haben den Weinberg 2006 angepachtet, alles wurzelechte St\u00f6cke\u2026<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\">GG<\/span>: Ich hake kurz ein: Wurzelecht bedeutet, dass unter der Erde die gleiche DNA vorhanden ist wie \u00fcber der Erde, beim Fruchttr\u00e4ger\u2026<\/p>\n<p><span style=\"color: #99cc00;\">Philipp<\/span>: Genau so ist es. Es kam dann die Flurbereinigung, ich habe damals die besten f\u00fcnfzig St\u00f6cke ausgesucht und habe sie in die Vermehrung geschickt. Dar\u00fcber habe ich dann auch eine Diplomarbeit geschrieben. Jeder einzelne Stock wurde von mir probiert beziehungsweise ausgepresst. Das beste Ergebnis war dann die Diversit\u00e4t, also die unterschiedlichen St\u00f6cke. Die haben wir dann weitervermehrt und wieder in den Weinberg gesetzt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\">GG<\/span>: Sie sind mit den Traditionen eines angesehenen Weinhauses aufgewachsen. Sozusagen mit dem Weine gro\u00df geworden. Gab es jemals die Idee, etwas anderes zu werden als Winzer? Zum Beispiel Astronaut, Pilot, Lokf\u00fchrer oder Feuerwehrmann?<\/p>\n<p><span style=\"color: #99cc00;\">Philipp<\/span>: Lange Zeit habe ich nicht gewusst, was ich machen soll, einfach weil es auch sehr stressig ist bis man sich mit dem Produkt Wein identifiziert. Nach dem Abitur stand die Entscheidung aber dann fest. Die Lehrzeit habe ich dann bei <em>von Wenningen<\/em> und bei <em>August Ziegler<\/em> in Maikammer durchgezogen. W\u00e4hrend des Studiums habe ich viel verkostet und Kontakte gekn\u00fcpft. Ein halbes Jahr lang war ich in Neuseeland, die Liebe zum Wein ist damals entstanden.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\">GG<\/span>: Rieslinge?\u2026<\/p>\n<p><span style=\"color: #99cc00;\">Philipp<\/span>: Nicht ganz, ich war vorwiegend in Hawke\u2019s Bay. Haupts\u00e4chlich Chardonnay, Merlot, Cabernet-Sauvignon, viel Sauvignon-Blanc. Es ging dann in den S\u00fcden der Insel, in Central Otago habe ich dann Pinot Noir gemacht.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\">GG<\/span>: Hatten Sie (au\u00dfer Ihrem Vater) Vorbilder, die Ihr Schaffen am Weinberg gepr\u00e4gt haben?<\/p>\n<p><span style=\"color: #99cc00;\">Philipp<\/span>: Mein Vater hat schon fr\u00fch mit Barrique-F\u00e4ssern hantiert, Anfang 1980, \u00a0St.Martin war damals eher touristisch bekannt, der Weinbau spielte eine untergeordnete Rolle. Wir haben das ge\u00e4ndert indem wir die Qualit\u00e4t gepusht haben, wir haben viel Arbeit reingesteckt. Ende 1990 hat man dann angefangen die Trauben zu halbieren, zu entbl\u00e4ttern, die Arbeit im Weinberg wurde verfeinert, das ist das Wichtigste. Im Keller kann ich die Traube nur erhalten, sie muss quasi in bester Qualit\u00e4t schon in den Keller kommen.<\/p>\n<p>Es h\u00e4ngt viel am Boden, die Mineralik ist nat\u00fcrlich hier anders als an der Mosel, eignet sich aber sehr gut f\u00fcr den Riesling.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\">GG<\/span>: Genau wie ich, sind Sie ein gro\u00dfer Riesling-Fan. Welchen Wein dar\u00fcber hinaus schenken Sie sich gerne einmal ein?<\/p>\n<p><span style=\"color: #99cc00;\">Philipp<\/span>: Ich liebe den trockenen Riesling, aber auch ganz klar einen Chardonnay aus dem Burgund.<\/p>\n<p>Es kommt auf den Anlass an, rests\u00fc\u00dfe Tropfen von der Mosel, ein sch\u00f6ner Kabinett zum Beispiel. Alles was gut gemacht ist, trinke ich auch gerne. Ein sch\u00f6ner Winzersekt, so etwas liebe ich auch, muss nicht gleich Champagner sein, aber die kleinen Sekth\u00e4user sind oft grandios. Fr\u00fcher haben wir oft Weinproben mit Uwe Warnecke gemacht, es wurde alles m\u00f6gliche an gro\u00dfen Weinen probiert.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\">GG<\/span>: Ein guter Wein entsteht ja bekanntlich in der Vorstellung des Winzers. Gedanklich und handwerklich muss alles passen. Gab es schon echte R\u00fcckschl\u00e4ge, also zum Beispiel ein Jahrgang, der so gar nicht ihren Erwartungen entsprochen hat?<\/p>\n<p><span style=\"color: #99cc00;\">Philipp<\/span>: Ich war zum Beispiel vom Jahrgang 2011 entt\u00e4uscht, f\u00fcr uns passen eher die s\u00e4urehaltigen Jahrg\u00e4nge. 2008, 2010 und 2013 waren gro\u00dfe Jahrg\u00e4nge, 2016 auch, sehr fruchtbetont mit toller S\u00e4ure. 2012 und 2015 waren opulente Rotwein-Jahrg\u00e4nge. 2011 war einfach \u201ezwittrig\u201c, hat nicht meinen Vorstellungen entsprochen, zog sich aber so durch ganz Deutschland. 2006 war \u00fcbrigens auch nicht so toll, ging schnell in die Botrytis (Grauschimmelf\u00e4ule, Anm. d. R.).<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\">GG<\/span>: Man steckt das weg und bringt die Weine gar nicht in den Verkauf?<\/p>\n<p><span style=\"color: #99cc00;\">Philipp<\/span>: Genau, wir haben teilweise gar nichts abgef\u00fcllt in diesen Jahrg\u00e4ngen, f\u00fcr Ambrosia brauchen wir die Top-Jahrg\u00e4nge. Reinsortiger Cabernet muss halt durchgereift sein.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\">GG<\/span>: Eine ganz andere Frage: welchen Tropfen aus Ihrem Sortiment w\u00fcrden Sie eher den Damen empfehlen und gibt es einen besonders m\u00e4nnlichen Wein in Ihrem Portfolio?<\/p>\n<p><span style=\"color: #99cc00;\">Philipp<\/span>: Der \u00ab<em>Gew\u00fcrztraminer, fruchtig<\/em>\u00bb kommt sehr gut an, absolut ein Frauenwein sage ich mal. Im Trend f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen liegt im Moment der <em>Blanc de Noirs,<\/em> super-fruchtig, Easy-Drinking, ein ganz unkomplizierter Wein.<\/p>\n<p>M\u00e4nnlich sind nat\u00fcrlich unsere kantigen Rotweine mit ordentlich Gerbs\u00e4ure, zum Beispiel der \u00ab<em>Cuv\u00e9e Alois<\/em>\u00bb, sind zwar anfangs ziemlich rustikal, \u00a0entwickeln sich aber auf die Jahre top!<br \/>\nAm Anfang sind die kantig, schwer zug\u00e4nglich, nach 3 oder 4 Jahren sind sie dann aber ein Gedicht, dann sind sie aber schon ausverkauft!<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\">GG<\/span>: Sie sind einer der Veranstalter der v\u00e9ritable, die Auswahl der Weine ist ja sehr pers\u00f6nlich. Was unterscheidet dieses Event noch von anderen Veranstaltungen dieser Art?<\/p>\n<p><span style=\"color: #99cc00;\">Philipp<\/span>: Einige Gro\u00dfveranstaltungen sind \u00fcberdimensioniert und unpers\u00f6nlich, es gibt Veranstaltungen mit \u00fcber 6000 Ausstellern. Hier ist es famili\u00e4r, bei gutem Wetter eine Super-Atmosph\u00e4re, es ist einfach idyllisch. Die v\u00e9ritable ist auch f\u00fcr den Ort St.Martin sehr wichtig geworden, die Messe kommt sehr gut an. Zudem sind alle Winzer selbst da, ein gro\u00dfes Plus!<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\">GG<\/span>: Sie wollen n\u00e4chstes Jahr weitermachen, nat\u00fcrlich mit Uwe Warnecke?<\/p>\n<p><span style=\"color: #99cc00;\">Philipp<\/span>: Ja, wir haben f\u00fcr Uwe Warnecke sogar einen Wein ausgebaut, den \u00ab<em>Crazy Uwe\u00bb<\/em>. Ein Riesling, gelesen im Maikammerer Heiligenberg, er wollte so einen Kabinett-Style. Schwache Sp\u00e4tlese, wenig Alkohol, sch\u00f6ne S\u00e4ure, langlebig. Ausgebaut wie ein Riesling-Kabinett von der Mosel, wir haben von Nick Weis ein Fass bekommen und darin spontan vergoren. Er ist nun zum ersten Mal abgef\u00fcllt, einfach gro\u00dfartig!<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\">GG<\/span>: Die Ambrosia Linie ist ja nun sehr bekannt, der Riesling wurde im Gault Millau 2014 mit sagenhaften 89 Punkten bedacht. Gibt es Pl\u00e4ne, ganz neue Kreationen auf den Markt zu bringen? Boden und Klima sind ja vielf\u00e4ltig in dieser Gegend, da sollte doch noch etwas gehen, nicht wahr Phillipp?<\/p>\n<p><span style=\"color: #99cc00;\">Philipp<\/span>: Ich habe schon ein anderes Thema! Der Ambrosia ist nicht so einfach zu verstehen, wenn man die Gegend hier nicht kennt. In Zukunft will ich den Ambrosia \u00a0vielleicht als Reserve-Linie lassen, ich schiebe dann einfach nicht klassifizierte gro\u00dfe Weine rein, zum Beispiel einen Chardonnay, einen Cabernet oder einen Cuv\u00e9e. Oben dr\u00fcber setze ich dann die 2 Steillagen, f\u00fcr den Kirchberg zum Beispiel mit Pinot Noir und Riesling. Dauert alles seine Zeit, die Weine sind noch zu jung.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\">GG<\/span>: Sind Sie mit Ihren Weinen in die gehobene Gastronomie vorgesto\u00dfen, und wenn ja: Mit welchem?<\/p>\n<p><span style=\"color: #99cc00;\">Philipp<\/span>: Wir sind regional gut vertreten, au\u00dferdem im Deidesheimer Hof, Krone Haina, Wolfsburg Aqua, Goldmann Frankfurt. Es gibt gute Adressen, das wird aber noch mehr.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\">GG<\/span>: Eine letzte Frage: Ist der biologische Anbau f\u00fcr Sie ein Thema, Stichwort \u00ab<em>Orange Wine<\/em>\u00bb?<\/p>\n<p><span style=\"color: #99cc00;\">Philipp<\/span>: Wir arbeiten naturnah so weit es geht. In schwierigen Jahrg\u00e4ngen wollen wir aber nicht auf einen Pflanzenschutz verzichten. Herbizide f\u00fcr den Boden werden aber nicht eingesetzt. Wenn die Rebe intakt ist, dann l\u00e4uft es ohne Hilfsmittel, ansonsten muss man etwas tun. Genau so ist es ja auch beim Menschen, wenn er krank ist, man muss dann t\u00e4tig werden.<\/p>\n<p>Lieber Philipp, vielen Dank f\u00fcr dieses ausf\u00fchrliche Gespr\u00e4ch!<\/p>\n[amazon_link asins=&#8217;383381621X,3833839570&#8242; template=&#8217;ProductCarousel&#8217; store=&#8217;de-1&#8242; marketplace=&#8217;DE&#8217; link_id=&#8217;8c03ffc7-dd25-11e7-b6d8-1fc9c73d5707&#8242;]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Philipp Kiefer war 2015 Deutschlands bester Jungwinzer. Im pf\u00e4lzischen St.Martin ist es ihm gelungen Weine anzubauen, die auch mit den ganz Gro\u00dfen mithalten k\u00f6nnen. 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