Kubrick und mehr…

Çiçek Pasajı

Çiçek Pasajı

preparing delicicous pastry...

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Naum Theater

Naum Theater

From Turkey with Love

Kapitel 3

Kubrick und mehr…

Auf den Ruinen des beim großen Brands im Jahre 1870 abgebrannten Naum Theaters entsteht die Çiçek – Passage, so benannt nach einigen Blumenläden, die es seinerzeit dort gab.

Schon vor über 160 Jahren ist das Haus ein beliebtes Ziel kulturverrückter Bürger. Seinerzeit wird der „Trovatore“ von Giuseppe Verdi dort aufgeführt, noch bevor Paris die Oper auf die Bühne bringt, eine Sensation.

Der griechische Bankier Hristaki Zografos Efendi erwirbt 1876 das Gelände und lässt auf den Überresten des Theaters ein Gebäude mit einem Basar und einem Wohnhaus errichten. Dafür engagiert er den italienischen Architekten Cleanthy Zanno
Schnell entwickelt sich die Gegend zum Treffpunkt von Künstlern und Bohemiens, oft feiert man in der Gegend bis in die Morgenstunden, die Nacht wird zum Tag gemacht.

Das Gebäude beherbergt damals im Untergeschoss 24 Geschäfte, eingerichtet im Pariser Stil und darüber 18 Luxuswohnungen.

1908 erwirbt Großwesir Sait Pascha das Gebäude.
Gegen Ende des 2. Weltkriegs ziehen immer mehr Restaurant- und Kneipenbesitzer in die Passage. Schon bald gibt es dort ausgezeichnete Restaurants, die auch unter bekannten Feinschmeckern einen guten Ruf genießen. Die Çiçek-Passage (Hristaki-Passage-Cite de Pera) ist mit ihrer extravaganten Fassadenarchitektur immer noch das prunkvollste Gebäude in Beyoğlu.

Gleich hinter der Passage ist der Fischmarkt, der heutzutage wie so vieles in Istanbul urbanisiert ist, nur noch wenige Fischstände sind dort zu sehen. Ein kleiner Spaziergang durch das pittoreske Viertel lohnt sich natürlich trotzdem.

Fischmarkt

Es gibt sie noch, ein paar wenige Stände auf dem Fischmarkt…

Fischmarkt

am Fischmarkt…

Anton Iwanowisch Denikin

Anton Iwanowisch Denikin

Während wir durch die Gassen schlendern, hier und da unsere Kameras und Smartphones zücken, sind russische Sprachfetzen allerorts zu vernehmen.

Die Geschichte scheint sich zu wiederholen.
In der großen Revolution radieren die Bolschewisten das Zarenreich aus den Geschichtsbüchern, Landsleute fliehen in alle Länder der Welt.

Eine rastlose Gesellschaft, bestehend aus verschiedenen politischen Richtungen, Religionen und Ethnien sucht ihr Glück nicht zuletzt in Istanbul. Damals auf der Flucht vor den Bolschewiki, heute auf der Flucht vor den Nationalisten und den Kämpfen in der Ukraine.

Wer will es ihnen verdenken? Alles ist besser, als sich in einem sinnlosen Krieg abschlachten zu lassen oder in Gefangenschaft zu geraten.

In diesem Zusammenhang gibt es eine absurde Anekdote zu berichten, die sehr gut zur Situation passt.

In den 1920er Jahren lebt in der russischen, Istanbuler Gemeinde ein bekannter General der Zaristischen Armee, Anton Iwanowitsch Denikin.

Nach langer Zeit im Exil landet er schließlich in den USA, wo er 1947 stirbt.
Im Jahre 2005 lässt Vladimir Putin, damals schon Präsident der Russischen Republik, den Helden vergangener Tage unter großem Pomp zurückführen und als nationalen Märtyrer feiern.

Russland hat also einen Präsidenten, der im sowjetischen KGB aufgestiegen ist und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion einen zaristischen General feiert, ach wie ist das schön, nicht wahr liebe Leser?

 

2001

Stanley Kubrick

Noch bis zum 26. Februar 2023 ist die ausgezeichnete Schau über den US-amerikanischen Regisseur im Istanbul Sinema Müzesi (Museum of Cinema) zu besichtigen.
Die Wanderausstellung war schon in  San Francisco, New York, Barcelona, Seoul, Toronto, London und vielen anderen Weltmetropolen.
Gezeigt wird eine spannende Retrospektive über das Werk des großen Regisseurs, der für seinen manischen Perfektionismus, seinen Ideenreichtum und seine magische Fähigkeit, auf der Leinwand das Unmögliche möglich zu machen, bis heute eine große Fangemeinde hat.

Dem genialen Regisseur gelang es stets die Schauplätze seiner Geschichten auf der Leinwand in etwas ganz anderes, großartig Kunstvolles zu verwandeln.
Den Schauspielern verlangte er alles ab. Szenen wurden wieder und wieder neu eingespielt.
Die Schauplätze seiner Geschichten haben sich in unsere Gedächtnisse eingebrannt. Das Raumschiff aus 2001, das Hotel aus Shining usw.

Wenn wir uns weiter so benehmen, gehen wir unter
Stanley Kubrick

Kubrick war ein politischer Mensch und bewies schon seinerzeit Weitblick.

Viele seiner Filme entstanden in der Nähe von London, wo Kubrick sein eigenes Studio hatte. Auch Full Metal Jacket wurde dort gedreht.

„Kubrick […] überwand Hindernisse, löste Probleme, überließ nichts dem Zufall, um jeden Aspekt seines Filmwerks vollständig zu kontrollieren. Filme zu machen wurde seine Art zu leben. Er arbeitete in verschiedenen Genres – Noir, Science-Fiction, Kriegsfilm, Horrorfilm – und sprengte alle Regeln, um die Formen zu unterlaufen und neue Paradigmen zu schaffen. Sein Ziel war es, Perfektion zu erreichen“.

Zitat aus der Ausstellung

one of his first cameras

one of his first cameras

shining

Shining

 

Kubrick war auch ein Design-Fetischist und nutzte sein Wissen über die Materie für seine Filme.

„Schöne Maschinen haben etwas Sexuelles“, sagte er, „der Geruch einer Nikon, das Gefühl eines italienischen Sportwagens oder eines schönen Tonbandgeräts“.

Diese Einstellung kommt besonders in A Clockwork Orange zum Tragen, die Innenräume sind im Film mit futuristischen Gegenständen ausgestattet.
Eine rote Olivetti-Schreibmaschine von Ettore Sottsass, die Christ Unlimited-Skulpturen von Herman Makkink und der transparente Transcriptor-Plattenspieler von Davide Gammon.

Das oberste Stockwerk der Ausstellung in Istanbul ist ausschließlich dem bekanntesten Werk Kubricks gewidmet, 2001: A Space Odyssey.
Wer will, kann dort in die Discovery One steigen, und wie einst Dr. David „Dave“ Bowman in Richtung Jupiter fliegen, während die schöne blaue Donau von Strauß ertönt.
Ein Erlebnis!  Noch bis zum 26. Februar 2023.

Stanley Kubrick:

Istanbul Sinema Müzesi (Museum of Cinema)
30. September 2022 bis 26. Februar 2023
www.istanbulsinemamuzesi.com

 

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