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		<title>Grandgourmand untersützt Autoren deswegen:  Let&#8217;s Go 1.4</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mathias]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2020 22:22:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Grandgourmand RSS Feed<p>Ich richte mich kraftlos auf und betrachte die Landschaft mit stumpfen Blick. Irgendwo bellt ein Hund, irgendwo bellt immer ein Hund, ist Ihnen das schon aufgefallen? Wenn ein Hund anfängt zu bellen, bellen auf ein geheimes Kommando hin alle anderen Hunde. Was haben sie sich wohl zu sagen? Die Leiche des Fahrers dampft in der [&#8230;]</p>
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<p>Ich richte mich kraftlos auf und betrachte die Landschaft mit stumpfen Blick. Irgendwo bellt ein Hund, irgendwo bellt immer ein Hund, ist Ihnen das schon aufgefallen? Wenn ein Hund anfängt zu bellen, bellen auf ein geheimes Kommando hin alle anderen Hunde. Was haben sie sich wohl zu sagen?</p>
<p>Die Leiche des Fahrers dampft in der Morgenhitze vor sich hin. Während ich das Handy aus der Hosentasche krame um den Notruf zu betätigen, betrachte ich mich von oben bis unten.</p>
<p>Der Anzug ist in Fetzen, die Hosen sind dreckverschmierte Lappen, die Haare sind voller Blut.</p>
<p>Jemand nimmt ab, ein Krankenwagen ist unterwegs.</p>
<p>Nina gibt mir ein Zeichen mit der Hand.</p>
<p>„Fahren Sie nach Tokio, bringen Sie das Päckchen an die Adresse, ich muss hier bei Kaito bleiben Ich weiß nicht, ob er das übersteht, wir treffen uns in Tokio und reden dort über alles, würden Sie das für mich tun“? Diese Worte kommen hastig über ihre Lippen, ich schweige.</p>
<p>„Nehmen Sie den Zug in Kyoto, in ein paar Stunden sind Sie in der Hauptstadt, gehen Sie zu der Adresse. Ich melde mich bei Ihnen, wir sehen uns. Ein Auto ist schon unterwegs um Sie hier abzuholen, vertrauen Sie mir bitte“. Ihrem flehenden Blick kann ich nicht widerstehen, obwohl ich weiß, dass das ein Fehler ist.</p>
<p>Ein schwarzer Toyota Century nähert sich uns. Ich werfe noch einen letzten Blick auf die Tanakas und denke dabei unwillkürlich an die „Beständigkeit der Erinnerung“, von Salvador Dali.</p>
<p>Nina und Kaito liegen da, als wären sie die weichen Uhren auf dem Gemälde des spanischen Surrealisten.</p>
<p>Ich steige ein und während das Auto sich in Bewegung setzt, sehe ich dieses bizarre Bild mit dem Wrack und den beiden reglosen Gestalten, die Zeit scheint für einen Augenblick stehen zu bleiben.</p>
<p>Wir fahren zügig weiter.<br />
Der Fahrer sieht mich mitleidig an und schiebt mir einen Umschlag zu. „Das ist für Sie, von Nina Tanaka“.</p>
<p>Ich öffne ihn und habe ein dickes Bündel Dollarnoten in der Hand. „ Was soll ich damit ?“, frage ich, der Fahrer schweigt und richtet seinen Blick starr auf die Straße.</p>
<p>Nach einer Fahrt von ungefähr einundeinhalb Stunden erreichen wir Kyoto, heute gibt es hier keinen Umami-Kurs mehr.</p>
<p>Am Bahnhof steige ich aus, abgerissen, blutverschmiert und stinkend.</p>
<p>In einem Schaufenster sehe ich einen Anzug von Ermengildo Zegna.</p>
<p>Ich probiere ihn an, er passt wie angegossen. Dazu kaufe ich noch etliche Hemden, ein paar Hosen und was man sonst noch so braucht. Meine Ray-Ban liegt irgendwo zerbrochen auf der Straße, ich besorge mir eine neue. Alles wird mit dem Geld aus dem Umschlag bar bezahlt.</p>
<p>In der Umkleidekabine ziehe ich mich hastig um, die alten Sachen lasse ich dort liegen. Irgendwo wasche ich mich so gut es geht. Ich schaue in den Spiegel und sehe ein müdes, schlafloses, abgekämpftes Gesicht, ein Whisky wäre jetzt gut.</p>
<p>Der Bahnhof in Kyoto ist ein futuristisches Gebäude, eine Kathedrale aus Glas und Stahl. Bis der Shinkansen abfährt habe ich noch etwas Zeit und nehme aus einem Impuls heraus den Aufzug zum Skydeck, einmal noch will ich einen Blick auf die Stadt werfen.</p>
<p>Die Aussichtsplattform ist voller Touristen die alle Atemschutzmasken tragen. Ich denke an die vergangenen 24 Stunden, plötzlich muss ich mich über das Geländer übergeben.<br />
Der Mageninhalt mit dem letzten Rest Kaiseki und einer Miso-Suppe fliegt in Zeitlupe vor meinen Augen in die Tiefe.</p>
<p>Alle wenden sich entsetzt vom Anblick ab, eine Kinderschar stobt kreischend auseinander, einige Kinder zeigen mit ihren Fingern wild gestikulierend auf mich. Es wird Zeit zum Bahnsteig zu gehen.</p>
<p>Vorher kaufe ich am Schalter zwei Tickets für die Green Class nach Tokio, ich will meine Ruhe haben.</p>
<p>„Sie haben Glück“, sagt der weibliche Roboter hinter der Glasscheibe und lächelt mich mit seinen leuchtenden LED-Augen freundlich an, „es gibt noch zwei Plätze im Alpha X, der Zug geht in 20 Minuten ab Gleis 5, er hat sogar eine Dusche, sie haben es nötig, das sagen die Sensoren. Darf ich die Tickets für Sie buchen?“ Die Farbe des Roboter-Mundes wechselt unmerklich von blassrosa zu dunkelrot, die Augenlider zwinkern mir mechanisch aufreizend zu.</p>
<p>„Kann ich bar bezahlen?“, frage ich und schaue den Apparat dabei kritisch an.<br />
„Yen, Dollar oder Euro“, die Stimme klingt auf einmal sehr geschäftsmäßig.</p>
<p>„Dollar, bitte“.</p>
<p>„Kein Problem, die Tickets kosten 450$, darf ich sonst nach etwas für Sie tun?“</p>
<p>Es öffnet sich eine kleine Bezahl-Schublade,  ich lege die Scheine dort hinein und entnehme die Tickets.</p>
<p>„Shinkansen wünscht eine gute Reise“, sagt der geschäftstüchtige Roboter noch mit einer sexy Stimme, bevor ich mich zum Gleis bewege.</p>
<p>In der Nacht ist Abfahrt.</p>
<p>Ich bestelle einen Whisky, der Mastenwald des Bahnhofs zieht langsam am Fenster vorbei während die beleuchtete Stadtlandschaft in Dunkelheit übergeht.</p>
<p>Ich würde gerne Musik hören. Einmal hat mein Freund Marcus zu mir gesagt:</p>
<p>„Matias, <em>Tainted Love, Where Did Our Love Go</em> in der extended Version ist geil.<br />
Das ist Musik aus den 80ern. Richtig gut gemacht, barrierefrei. Ich liebe diese 80er.<br />
Musikalisch verspielt.</p>
<p>Manche sagen, das wäre schlicht. Vielleicht stimmt das, aber Musik darf auch einfach mal nur schön sein. Das Lied hat Muskeln, ist ein Schwächling, hat was Grobes, so funktioniert Pop“.</p>
<p>Wie recht er hat, ein gutes Stück. Ich höre den Song im Geiste, die extended Version hat noch mehr Text.</p>
<pre class="wp-block-verse">Tainted Love

Sometimes I feel I've got to
Run away I've got to
Get away
From the pain that you drive into the heart of me
The love we share
Seems to go nowhere
And I've lost my light
For I toss and turn I can't sleep at night


Once I ran to you (I ran)
Now I'll run from you
This tainted love you've given
I give you all a boy could give you
Take my tears and that's not nearly all
Oh tainted love
Tainted love


Now I know I've got to
Run away I've got to
Get away
You don't really want it any more from me
To make things right
You need someone to hold you tight
And you'll think love is to pray
But I'm sorry I don't pray that way




Once I ran to you (I ran)
Now I'll run from you
This tainted love you've given
I give you all a boy could give you
Take my tears and…
</pre>
<p>Ich gehe unter die Dusche und warte auf die Ankunft in Tokio.</p>
</div>
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		<title>Let&#8217;s go on</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mathias]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Apr 2020 22:10:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fiction]]></category>
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					<description><![CDATA[Grandgourmand RSS Feed<p>Ich notiere letzte Gedanken für den Kurs am nächsten Tag: Keine Maskottchen, keine Schulmädchen, kein Harakiri.<br />
Das Handy klingelt. Präfekt Tanaka lädt mich zum Lunch in den Tempel ein, eine Überraschung.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[Grandgourmand RSS Feed<p><img decoding="async" data-attachment-id="10418" data-permalink="https://grandgourmand.de/letsgooncover/" data-orig-file="https://grandgourmand.de/wp-content/uploads/2020/04/letsgooncover.jpg" data-orig-size="569,834" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;,&quot;lens&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="letsgooncover" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://grandgourmand.de/wp-content/uploads/2020/04/letsgooncover-205x300.jpg" data-large-file="https://grandgourmand.de/wp-content/uploads/2020/04/letsgooncover.jpg" class="alignnone wp-image-10418 size-full" src="https://grandgourmand.de/wp-content/uploads/2020/04/letsgooncover.jpg" alt="" width="569" height="834" srcset="https://grandgourmand.de/wp-content/uploads/2020/04/letsgooncover.jpg 569w, https://grandgourmand.de/wp-content/uploads/2020/04/letsgooncover-205x300.jpg 205w, https://grandgourmand.de/wp-content/uploads/2020/04/letsgooncover-171x250.jpg 171w" sizes="(max-width: 569px) 100vw, 569px" /></p>
<p>Fortsetzungsroman</p>
<p>Kapitel I</p>
<p>Japanese Corona</p>
<p>Es ist die Zeit von Corona, oder Covid 19 oder wie sonst auch. Die Nachrichten sind voll davon, Sondersendungen rund um die Uhr.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ich habe nichts zu tun und höre Bill Evans, You Must Believe in Spring. Programmmusik, Frühlingsjazz, perfekte Technik, der Rhythmus bewegt sich auf der Welle, geht in den Kopf. Mit Musik kann man die Zeit anhalten. Die rechte Hand streichelt sphärische Akkorde in den Raum, der Bass klingt trocken. Ein ausgezeichneter Percussionist spielt seine eigene Stimme, ein gutes Arrangement.</p>
<p>Mir fällt ein Dialog in der Bahn ein. Vor mir sitzt jemand, der nervös zwischen den Sitzen wechselt, nach rechts, dann wieder nach links und wieder nach rechts, dabei schreibt er mit seinem Finger Wörter in die Luft.</p>
<p>Laut:„Hallo, können sie mir sagen, wie spät es ist“?</p>
<p>Er blickt er auf einen großen Mann, der eine Jacke trägt, die ihn als Mitarbeiter der Bahngesellschaft ausweist.</p>
<p>Leise: „Ich habe leider keine Uhr dabei“.</p>
<p>Laut: „Ich muss wissen, wann diese Bahn an der Endstation ankommt, ich habe da einen wichtigen Termin“.</p>
<p>Hilfsbereit: “Habe leider keine Uhr“.</p>
<p>Laut: „Warum? Ich frage nur freundlich nach der Zeit nach, ich habe einen wichtigen Termin“.</p>
<p>Freundlich-distanziert: „Wie kann ich ihnen helfen“.</p>
<p>Laut: „Ich habe einen wichtigen Termin bei der Kriminalpolizei, ich bin ein stolzer Sizilianer“.</p>
<p>Hilfsbereit: „Wohin nochmal“?</p>
<p>Laut:“Zur Endstation, immer das gleiche hier, man wird verarscht, so ist es in Deutschland, ich will doch nur wissen ob ich meinen Termin noch bekomme um 14:00 Uhr“.</p>
<p>Es ist schon fast drei Uhr mittags. Ich stelle eine allgemeine psychosomatische Störung fest. Man verabschiedet sich freundlich.</p>
<p>Man sagt, dass diese Krise die schlimmste nach dem 2.Weltkrieg wäre.</p>
<p>Ich erinnere mich ein ein Treffen mit dem japanischen Kaiser, in einer Bar in Tokio. Nach einigen Whiskys sprechen wir über die Unterschiede zwischen Europa und Japan, eine zierliche Dolmetscherin macht das möglich. Akihito ist gut drauf.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>„Wir haben keine Atombomben mehr“.</p>
<p>„Die hattet ihr noch nie“.</p>
<p>Akihito lächelt weise und sagt dann:<br />
„Vielleicht“.</p>
<p>„Gibt es noch Whisky“?</p>
<p>Akihito: „Ja gerne, ich frage nach“.</p>
<p>Ich<span class="Apple-converted-space">  </span>betrachte seine Frau. Schlaffe Brüste, aufgeklebte Wimpern, einen Gang wie ein lahmer Leopard.</p>
<p>Akihito: „Ich schicke sie weg“.</p>
<p>Ich: „Danke“.</p>
<p>Akihito:“In Zukunft wird mein Sohn den Laden schmeißen, haben Sie etwas dagegen, wenn ich Pink Floyd, Dark Side of the Moon auflege“?</p>
<p>Ich:<span class="Apple-converted-space">  </span>„Wenn ihre Frau nichts dagegen hat, gerne“.</p>
<p>Akihito: „Die geht jetzt ins Bett“.</p>
<p>Ich: „Super.“</p>
<p>Akihito: „Ich liebe meine Frau, sie ist die Zierde meines Lebens sie ist mein Elixier“.</p>
<p>Ich: „Leck mich“.</p>
<p>Akihito: „Ich weiß wie unkultiviert Europa ist“.</p>
<p>„Wo bleibt der Whisky“?</p>
<p>Akihito:“Frage ich mich auch“.</p>
<p>Akihito: „ Als sie damals das Interview mit Marlon Brando geführt haben, hat er etwas über Sex erzählt“?</p>
<p>Ich: „Ja, absolut, es ging um Penetration“.</p>
<p>Ich verlasse das Lokal, höre dabei Pink Floyd. Die Straßen in Tokyo sind belebt, an einer Ecke bietet mir ein Typ mit einer überdimensionalen Sonnenbrille gebrauchte Damenhöschen an, ich überlege kurz und lehne dann ab, der Preis stimmt nicht.</p>
<p>Bevor Sie weiterlesen ein paar Zeilen zur Erklärung: Jeder Autor will einfache und wahre Geschichten erzählen, wahre Begebenheiten sind aber oft langweilig. Nur ab und zu findet sich im Leben eine Geschichte mit einem poetischen Kern. Autoren sind wie Trüffelschweine, anstatt grunzend nach wertvollen Pilzen unter der Erde zu graben, suchen sie aber nach Ideen, daraus werden dann Geschichten geformt, die sich traurig, tragisch, komisch oder überhaupt ganz anders lesen.</p>
<p>Mit diesem Text will ich Sie lediglich unterhalten, nicht mehr, aber auch nicht weniger.</p>
<p>Japan ist schön und skurril und beides gleichzeitig. Die Menschen leben auf engstem Raum und sind außer ihren Frauen noch mit ihrer Arbeit verheiratet, ein ungünstiges Schicksal.</p>
<p>Abends geht man mit den Kollegen in die Bar, um dort seine Verbundenheit mit der Firma zu feiern, Gesellschaftskapitalismus der humorlosen Art, jedenfalls aus meiner Sicht.</p>
<p>Wenn Sie in Tokio unterwegs sind, tauchen manchmal unvermittelt bunte Maskottchen auf und tanzen zu albernen Choreografien. Ebenso schnell wie sie gekommen sind, verschwinden sie gleich wieder im nächsten großen Kaufhaus. Es gibt sogenannte Yuru-Chara-Festivals, dort treffen sich gleichgesinnte Maskottchen in großer Menge, um gemeinsam zu feiern und vielleicht auch, um Damenhöschen zu tauschen.</p>
<p>Ich reise nach Kyoto, man hat mich dort für einen Umami-Kurs engagiert.</p>
<p>Eine schöne Stadt, besonders im April, es ist die Zeit der Kirschblüte. Überall finden Hanamis statt, man feiert mit Freunden und Familie in den Parks, zuhause, oder draußen in der Natur, der Sake fließt in Strömen. Zu diesem Fest lässt man in Japan fünf auch mal gerade sein.</p>
<p>Nach der Ankunft habe ich noch Zeit für einen kleinen touristischen Abstecher. Beim ersten Licht fährt mich ein Taxi zum Kinkaku-ji. Ich freue mich auf diese Ablenkung, mindestens genauso, wie auf das schöne Honorar für den Kurs.</p>
<p>Mit Kursen halte ich mich über Wasser, mit Reden für Firmenjubiläen und Trauerfeiern, mit Kritiken und Kurzgeschichten. Manchmal landet das Honorar sogar auf dem Konto, wir Lohnschreiber stehen ganz unten in der Nahrungskette.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>„Wir würden Sie gerne für diesen Text haben, unser Budget gibt leider aber nicht viel her“. Diesen Satz höre ich fast immer, wenn ich gebeten werde, etwas zu einem bestimmten Thema zu schreiben, man gewöhnt sich daran, ich jammere nicht, jammern ist erbärmlich. Ironie ist besser. Ironisches Jammern am besten.</p>
<p>Kinkaku-ji ist mit Gold überzogen, der Tempel glüht förmlich im morgendlichen Sonnenlicht. Direkt davor gibt es einen kleinen See, der das Gebäude sanft lächelnd widerspiegelt. Ein schönes Gemälde.</p>
<p>Nur wenige Touristen sind um diese Zeit unterwegs. Ich beobachte eine schlanke, elegant gekleidete Frau, die unablässig fotografiert und dabei schrille, helle Entzückensschreie ausstößt. Wie wird sie sich wohl in anderen Situationen artikulieren? Ein interessanter Gedanke, der mich auf der Fahrt ins Hotel begleitet.</p>
<p>Bevor ich das Zimmer betrete, bittet man mich freundlich darum, die Schuhe auszuziehen. Aus dem Fenster sieht man den Kyoto Tower. Außer dem großen Futonbett aus Zedern-Holz ist das Zimmer unmöbliert. Vor dem geräumigen Apartment gibt es einen kleinen, von einer Schiebetüre abgetrennten<span class="Apple-converted-space">  </span>Raum für das Gepäck.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die Wände sind mit kunstvollen Tapeten bezogen, darauf sind fliegende Kraniche und Kirschblüten abgebildet. Hinter einer weiteren Schiebetüre befindet sich die vollautomatisierte Toilette, während der Benutzung kann man aus einer Playlist die gewünschte Beschallung auswählen.</p>
<p>Ich schwanke zwischen Yellow Submarine, Forellenquintett und Ballade pour Adeline, entscheide mich schließlich für Anarchy in the UK von den Sexpistols.</p>
<p>Right now ha, ha, ha, ha, ha</p>
<p>I am an anti-Christ</p>
<p>I am an anarchist</p>
<p>Don&#8217;t know what I want</p>
<p>But I know how to get it</p>
<p>I want to destroy the passerby…</p>
<p>…I want to be anarchy</p>
<p>And I want to be anarchy</p>
<p>(Oh what a name)</p>
<p>And I want to be an anarchist</p>
<p>(I get pissed, destroy!)</p>
<p>Ich notiere letzte Gedanken für den Kurs am nächsten Tag: Keine Maskottchen, keine Schulmädchen, kein Harakiri.<br />
Das Handy klingelt. Präfekt Tanaka lädt mich zum Lunch in den Tempel ein, eine Überraschung, vielleicht hat er Wind von meinem Treffen mit dem Tenno bekommen und will sein Gesicht nicht verlieren.</p>
<p>Tanaka ist ein kultivierter Mann und pflegt einen luxuriösen Lebensstil. Man spricht von einem sagenhaften Vermögen. In Monaco liegt seine riesige Yacht, die „Mogambo“ vor Anker. Das Schiff hat er günstig von einem afrikanischen Potentaten erworben, der beim Volk in Ungnade fiel und der nun in Saudi-Arabien sein Luxus-Exil genießt, allerdings ohne die „Mogambo“, ohne seinen Harem mit 140 Frauen und ohne die zwei Tonnen Diamanten, die er seinem Land geraubt hat, dafür ist ihm sein Kopf geblieben, Glück gehabt.</p>
<p>Die Yacht ist 160 Meter lang, verfügt über mehrere Liegewiesen, Whirlpools und natürlich über einen Hubschrauberlandeplatz, sie bietet Platz für 100 Gäste, es darf gefeiert werden.</p>
<p>In den Medien taucht Tanakas Name immer wieder im Zusammenhang mit den Yakuza auf. An dem Teflon-Politiker perlen diese Gerüchte jedoch wie der Morgentau auf einem Lotusblatt bei Sonnenaufgang ab.</p>
<p>Ich rasiere mich vor einem Spiegel mit zehnfacher Vergrößerung. Der Effekt ist beängstigend. Gesichtshaare verwandeln sich in einen mächtigen Urwald, kleine Pickel werden zu Vulkanen aus denen lautlos graue Asche steigt, rote Flecken sehen aus wie kochende Lava-Seen, Falten sind tiefe, schattenwerfende, trostlose Schluchten. Altersflecken mutieren zu dunklen, toten Meeren. Das Gelände wird schnell eingeschäumt und durchpflügt, bis alles glatt ist. Erleichtert wende ich mich vom traurigen Schauspiel ab.</p>
<p>Der blaue Anzug aus Italien ist von der Reise gezeichnet, ich bürste ihn sorgfältig und ziehe dabei die Knitterfalten, so gut es geht, glatt. Auch das helle Canali-Hemd hat gelitten, hastig bügle ich das gröbste weg. Die blau-weiße Niki Milano Krawatte wird mit einem einfachen Knoten umgebunden, das wirkt lässig. Wie der Laufbursche des Tennos sehe ich nicht aus, beruhigend! Ich muss kurz lachen, als ich mich an meine Jugend erinnere und an das, was ich damals trug, die Zeiten ändern sich. Zuletzt setze ich den Panama mit breiter Krempe auf den Kopf und klemme mir die Ray-Ban Wayfarer hinter die Ohren.</p>
<p>Auf der Strasse steigt plötzlich ein Schwarm kohlschwarzer Schwalben über uns auf und tanzt ein Ballett in den Himmel. Eine kleine Menschenmenge beobachtet gebannt das Spektakel. Die riesige Schwalben-Kunstflugstaffel jagt Häuserwände hoch und wieder runter, ändert unvermittelt die Richtung, steigt senkrecht in die Höhe um sich sogleich mit atemberaubender Geschwindigkeit in die Tiefe zu stürzen, ganz nah an uns vorbei, man spürt den Luftzug im Gesicht. Kurz vor dem Aufprall auf den Boden wird ein Looping gedreht, dann fliegt das<span class="Apple-converted-space">  </span>Geschwader, wie auf Kommando, pfeilschnell die Straße entlang und verschwindet in der Ferne. Es gibt Applaus und die Menschen gehen lachend auseinander. Schwerkraft ist relativ.</p>
<p>Lesen Sie in der nächsten Folge: Empfang bei Tanaka, eine Autofahrt.</p>Der Beitrag <a href="https://grandgourmand.de/lets-go-on/">Let’s go on</a> erschien zuerst auf <a href="https://grandgourmand.de">[:de]Grandgourmand, Travel, Food, Lifestyle[:]</a>.]]></content:encoded>
					
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