From Turkey with love

Blick auf Istanbul

Blick auf Istanbul

Kapitel 1

Der Kapitän wünscht einen angenehmen Flug, nach drei entspannten Stunden landen wir in Istanbul. Beim Anflug auf die riesige Metropole frage ich mich, welche Abenteuer dort auf mich warten. Als die Maschine aufsetzt, fällt mir sogleich der elegante Tower ins Auge, kein Wunder, schließlich ist er vom italienischen Design-Büro Pininfarina gestaltet. Er hat die Form einer Tulpe.

Der Istanbul Airport wurde in der Rekordzeit von nur viereinhalb Jahren aus dem Boden gestampft und fast pünktlich eröffnet, davon dürfen manch andere Großprojekte nur träumen.
Lange Laufbänder führen zur Passkontrolle, wo hunderte Reisende abgefertigt werden.

Es geht zügig voran, den Gesichts-Scan lässt man über sich ergehen, schon erreicht man das Gepäckband.

Mit meinem Rollkoffer begebe ich mich zu Ausgang 13, dort werde ich erwartet.
In die Türkei bin ich auf Einladung einer großen Agentur gereist. Zusammen mit Kollegen aus aller Welt soll ich über das Beyoğlu and Ankara Culture Route Festival berichten.

In verschiedenen Städten und Landschaften finden zeitgleich Ausstellungen, Konzerte, Events verschiedenster Art und kulinarische Empfänge statt.
Die Kosten, inklusive der Flüge, der Hotelaufenthalte und der Verpflegung für diese Reise übernimmt eine Agentur.
Nun weiß der Leser, mit wem er es zu tun hat.

Es ist schwierig, Mittel für Recherchen aufzubringen. Deswegen nehme ich solche Angebote an.
Eine Hand wäscht die andere!
Kollegen, die in diesem Zusammenhang den Begriff „Whitewashing“ in den journalistischen Reinraum schreien, dürfen mich gerne mit Steinen bewerfen, das macht mir nichts aus.
 Wäre ich ein politischer Journalist, so wäre auch der Sachverhalt ein anderer.
Ich schreibe in schwierigen Zeiten lieber über Ästhetik, Kulinarik, Kunst und Musik, um mich selbst zu erfreuen und auch Sie, liebe Leser*innen.

N0 13

Am Ausgang sammelt sich eine mittlere Menschenmenge, die Guides warten dort auf ihre Gäste. Eine milde Brise heißt uns willkommen.

Guides und Gäste gestikulieren hektisch und unterhalten sich lauthals. Schilder werden in die Höhe gereckt.

Ein erfrischend amüsantes Chaos, ich liebe es.

In der Menge entdecke ich einen jungen Mann, der das Logo meiner Agentur in die Höhe hält,  gemeinsam warten wir noch auf einen Kollegen. Als er ankommt laden wir das Gepäck in den Kleinbus und fahren auf der Autobahn Richtung Istanbul.

Einfahrt in den Bosporus

Einfahrt in den Bosporus

 

Istanbul

Vor meinen Augen wächst auf einmal diese wunderbare Stadt empor.
Die Fahrt führt vorbei an Minaretten, an prachtvollen Gebäuden aus dem 19.Jahrhundert, mittendrin das Beşiktaş Fußballstadion, immer wieder öffnet sich der Blick auf das Meer, das heute blausilbrig glänzt.

Die Abendsonne wirft ein goldenes, luftiges Seidentuch über die Landschaft.

Auf dem Wasser des Bosporus kreuzen große und kleine Schiffe.
Die Straßen sind voller Menschen. Und voller Autos.
Davon gibt es leider viel zu viele, was zur Folge hat, dass sich unsere Ankunft verzögert, das wird in den nächsten Tagen immer wieder vorkommen. Ich werde mich noch daran gewöhnen.

Istanbul

Blick auf Istanbul

 

CVK Park Bosphorus İstanbul

CVK Park Bosphorus İstanbul

Nice to meet you…so happy to be here…I am so excited about this city…

Wir begrüßen uns herzlich, aber ein klein wenig unsicher in der Lobby des Hotels. Heute trifft sich zur Abendstunde in Istanbul – unweit des Taksim-Platzes – eine kleine, internationale Gesellschaft.
Japan, Aserbaidschan, Rumänien, Moldawien, Polen, Deutschland. Eine interessante Nationalitätenmischung, die für die nächsten Tage viel Spannung verspricht. Unser sympathischer Reiseleiter geleitet uns gleich zum Bus, uns lächelt ein leckeres Dinner in einem ausgezeichneten Restaurant entgegen, dort soll das Eis brechen.

Mürver

Mürver

Blick auf den Bosporus

Der Fahrer steuert den Bus virtuos durch das inzwischen nächtliche Istanbul, noch immer ist viel Verkehr. Schließlich erreichen wir das Restaurant Mürver, ganz in der Nähe des neu erbauten Galata-Ports im Stadtviertel Karaköy.

Das Restaurant befindet sich im obersten Stockwerk des Novotel, von dort hat man einen atemberaubenden Blick auf die historische Halbinsel, den Topkapipalast und natürlich auf das Meer. Bei Nacht spiegeln sich die Lichter der Yachten, der Fähren und der Kreuzfahrtschiffe auf der dunklen See, ein prachtvolles Bild, bei dem man unwillkürlich an die Geschichte Istanbuls denkt.

Schon als die Stadt noch Konstantinopel hieß, wurden Häfen an der Küste zum Goldenen Horn und zum Marmarameer gebaut, um die Stadt mit Waren zu versorgen. Bereits damals, vor ca. 1700 Jahren, war der Bosporus eine viel befahrene Meerenge. Wer dieses Gewässer kontrollierte, kontrollierte auch das Schwarze Meer und sicherte sich damit Macht und Reichtum.

Es erwartet uns ein sehr gutes Essen. Fast alle Gerichte sind auf dem Holzfeuer zubereitet, ich persönlich mag den Geschmack von Rauch und Glut, es ist eine Kunst, richtig damit umzugehen.
Das Aroma muss vorsichtig modelliert werden. Das beherrscht die Küche heute virtuos.
Wie immer kommt es auf die richtige Temperatur und die passende Zeit an. Ist einer dieser beiden Faktoren nicht korrekt, ist die komplette Kreation für die Katz. Solche Garvorgänge, erfordern viel Erfahrung. Die hat man hier!

Man darf es getrost vorweg nehmen: Das Restaurant schaffte es am nächsten Tag in den neuen Michelin Istanbul, Bravo!

Die offene Küche schickt uns verschiedene warme und kalte Hors d’œuvres, dazu gibt es Sauerteig-Pita, Olivenöl und Ziegenkäse von einer sehr guten Qualität.

Die Gerichte sind allesamt sehr gut gewürzt, man beherrscht hier das Spiel mit Säure, Textur und der Sensorik.
Hauchdünn geschnittene Zucchini-Streifen ergänzen sich mit einigen Fava-Bohnen ganz ausgezeichnet. Als Hauptgang gibt es die Wahl zwischen einem Lammfleisch und einem Seebarsch, beides auf dem Feuer zubereitet.

Das Fleisch zergeht auf der Zunge, eine sehr krosse, hauchdünne Kruste sorgt für ein raffiniertes Mundgefühl.

Mürver Restaurant:
http://www.murverrestaurant.com/?lang=en

Galata

Der Blick aus meiner kleinen Suite setzt Energien frei

Galata-Tower

Galata Tower

Am Galata-Turm

Am Galata-Turm

Ausblick vom Galataturm…

Blick vom Galataturm

View from Galata-Tower

Am Abend zollen wir Morpheus Tribut.

Aus meiner kleinen Suite muss ich nur den Kopf herausstrecken und nach links blicken, schon zeigt sich der Bosporus von seiner schönsten Seite! Dieses berauschende Panorama setzt bei mir in diesen Tagen immer wieder gebundene Energie frei.

So auch am nächsten Morgen.

Ein Blick auf das Programm verheißt einen spannenden Tag.
Besichtigung des Galata-Turms, anschließend einige Ausstellungen inklusive einer Biennale im Pera-Museum.
Lunch gibt es im Muutto-Restaurant im angesagten Galata-Port.

Höhepunkt des Tages ist am Abend die Verleihung der ersten Michelin-Sterne an Istanbuler Restaurants.

Unser Guide Yavuz bringt uns nach Beyoğlu, einem beliebten Viertel in Istanbul. Von dort geht es im Licht der Morgensonne zu Fuß weiter. Früher hieß der Stadtteil noch Pera, was so viel bedeutet wie „gegenüber“ (von Konstantinopel). Wir gehen entlang der ehemaligen Grande Rue de Péra (heute İstiklâl Caddesi, die Unabhängigkeitstraße) und passieren verschiedene Botschaften und Luxushotels.
Schon zu der Stunde füllen sich die vielen Gassen mit Leben.
Es sind noch einige Prachtbauten im französischen Stil erhalten, einige davon reinstes Art déco. Umtriebige Stadtsanierer haben versucht, einige dieser Kleinode zu restaurieren, oftmals wurden viele Villen dabei ihres Charakters beraubt. Schlechte Architekten sind der Todfeind der Ästhetik.

Der Galata-Turm stammt aus der Zeit der Genueser, die das Bauwerk im Jahre 1348 errichteten. Etwas über 100 Jahre später übernahmen die Osmanen die Kontrolle. Von dort aus genießt man den besten Blick auf die Stadt und das Meer. Ich empfehle den Istanbul-Touristen unbedingt den Besuch. Am besten so früh wie möglich, schnell bilden sich nämlich lange Schlangen an den Ticketschaltern.

Mit dem Aufzug und zu Fuß geht auf die Aussichtsplattform, wo sich uns an diesem sonnigen Morgen der Bosporus in seiner ganzen Schönheit präsentiert. Ausgiebig wird fotografiert und gefilmt. Ein strahlend schöner Morgen.

Pera

Grand Pera

View from Entrance Grand Pera

Grand Pera

Grand Pera

French Style Villa

French Style Villa

walking to Pera Palace

Walking on…

some fruit?

some fruit?

Wir machen uns auf den Weg zum Pera Museum. Das Pera Palace wurde 1882 als Luxushotel für jene Gäste eröffnet die mit dem Orient-Express anreisten. Eine Fin-de-Siècle-Villa, die die Jahrzehnte zwischen Bauwahn, Abriss und Planlosigkeit irgendwie überstanden hat. Es gab dort den zweiten, in Europa jemals eingebauten Aufzug, nur der Eiffelturm hatte schon vorher einen aufzuweisen.

Der Speisesaal war im Barockstil gehalten, daneben gab es eine Lounge mit einer zarten Glaskuppel durch die das Abendlicht dunkelblau leuchtete, wenn sich die Herren zur Zigarre trafen.

Nach dem ersten Weltkrieg bevölkerte sich das Pera-Viertel mit Spionen, Soldaten, Huren, Schriftstellern, Reportern, Dieben, Mördern, Deserteuren und Flüchtlingen.

Auch Mustafa Kemal bezog im November 1918 ein Zimmer im Palace. Den Besatzungsmächten ging es prächtig, nicht wenige Vertreter hatten es im Krieg zu unermesslichen Reichtum gebracht, den sie in Istanbul in vollen Zügen genossen. Die Stadt erfand sich wieder einmal völlig neu.
Mustafa Kemal wusste, dass das Pera die Zentrale der alliierten Besatzungsmacht war. Dort nahm er Kontakt zu den Briten auf, um herauszufinden, in wieweit sie zu Zugeständnissen bereit waren.

Damals hatte er spätere Volksheld und Gründer der modernen Türkei noch kein Amt mit Macht oder Einfluss, es sollte aber nicht mehr lange dauern, bis seine nationalistische Bewegung die letzten Überreste des Osmanischen Reichs und der Alliierten Besetzung beseitigte.

Durch die Jahrzehnte hindurch blieben das Pera und die umliegenden Etablissements der Treffpunkt für die vergnügungssüchtige Istanbuler Gesellschaft, auch unter Mustafa Kemal Atatürk.

Nach dem 2.Weltkrieg hielt der Jazz Einzug in die quirlige Metropole. Und die europäische Klassik, internationale Ensembles gaben sich ein Stelldichein, in der Stadt selbst entstanden erste, ambitionierte Orchesterprojekte.

Im Pera stehen zwei Ausstellungen auf dem Programm.

  • Intersecting Worlds: Ambassadors and Painters
  • The Art of Weights and Measures
  • Osman Hamdi Bey

Ich mag die alten Meister, den Impressionismus und zeitgenössische Malerei, ganz vorne auf meiner Lieblingsliste steht Gerhard Richter. In meiner Jugend habe ich mir ein schönes Zubrot als Führer durch das Kölner Museum Ludwig verdient.

Die Ausstellung mit Osmanischen Gemälden überzeugt mich nicht. Mit einer Ausnahme: Osman Hamdi Bey! Der älteste Sohn des Großwesirs Ibrahim Edhem Pascha studiert in Paris Jura, nebenbei entdeckt er sein Talent für Malerei und erhält Unterricht bei Jean-Léon Gérôme, Louis Boulanger und Fausto Zonaro, eine gute Schule!

Besondere Symbolkraft wird seinem Werk „Der Schildkrötenerzieher“ zugeschrieben. Es entsteht im Jahre 1906, als sich das Osmanische Reich im Endstadium der Dekadenz befindet.

Nach Ansicht des Historikers Edhem Eldem wird das Bild in der heutigen Türkei je nach der politischen Parteinahme des Betrachters verschieden interpretiert: Der türkische Traditionalist sehe in ihm die Schönheit und Würde des Osmanischen Reichs. Den neuen Kemalisten andererseits zeige das Bild, dass die Schildkröten, sprich die Traditionalisten, in die Modernität gezwungen werden müssen, für sie sei das Bild eine „Ikone des Stillstands“. (Quelle: Wikipedia)

Link to Pera Museum

 

 

 

 

 

 

 

 

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