Mürver

Mürver
Blick auf den Bosporus

Der Fahrer steuert den Bus virtuos durch das inzwischen nächtliche Istanbul, noch immer ist viel Verkehr. Schließlich erreichen wir das Restaurant Mürver, ganz in der Nähe des neu erbauten Galata-Ports im Stadtviertel Karaköy.

Das Restaurant befindet sich im obersten Stockwerk des Novotel, von dort hat man einen atemberaubenden Blick auf die historische Halbinsel, den Topkapipalast und natürlich auf das Meer. Bei Nacht spiegeln sich die Lichter der Yachten, der Fähren und der Kreuzfahrtschiffe auf der dunklen See, ein prachtvolles Bild, bei dem man unwillkürlich an die Geschichte Istanbuls denkt.

Schon als die Stadt noch Konstantinopel hieß, wurden Häfen an der Küste zum Goldenen Horn und zum Marmarameer gebaut, um die Stadt mit Waren zu versorgen. Bereits damals, vor ca. 1700 Jahren, war der Bosporus eine viel befahrene Meerenge. Wer dieses Gewässer kontrollierte, beherrschte auch das Schwarze Meer und sicherte sich dadurch Macht und Reichtum.

Es erwartet uns ein sehr gutes Essen. Fast alle Gerichte sind auf dem Holzfeuer zubereitet, ich persönlich mag den Geschmack von Rauch und Glut, es ist eine Kunst, richtig damit umzugehen.
Das Aroma muss vorsichtig modelliert werden. Das macht die Küche heute virtuos.
Wie immer kommt es auf die richtige Temperatur und die passende Zeit an. Ist einer dieser beiden Faktoren nicht korrekt, ist die komplette Kreation für die Katz. Solche Garvorgänge, erfordern viel Erfahrung. Die hat man hier!

Man darf es getrost vorweg nehmen: Das Restaurant schaffte es am nächsten Tag in den neuen Michelin Istanbul, Bravo!

Die offene Küche schickt uns verschiedene warme und kalte Hors d’œuvres, dazu gibt es Sauerteig-Pita, Olivenöl und Ziegenkäse von einer sehr guten Qualität.

Die Gerichte sind allesamt sehr gut gewürzt, man beherrscht hier das Spiel mit Säure, Textur und der Sensorik.
Hauchdünn geschnittene Zucchini-Streifen ergänzen sich mit einigen Fava-Bohnen ganz ausgezeichnet. Als Hauptgang gibt es die Wahl zwischen einem Lammfleisch und einem Seebarsch, beides auf dem Feuer zubereitet.

Das Fleisch zergeht auf der Zunge, eine sehr krosse, hauchdünne Kruste sorgt für ein raffiniertes Mundgefühl.

Mürver Restaurant:
http://www.murverrestaurant.com/?lang=en

Galata

Der Blick aus meiner kleinen Suite setzt Energien frei
Galata-Tower
Galata Tower
Am Galata-Turm
Am Galata-Turm
Ausblick vom Galataturm…
Blick vom Galataturm
View from Galata-Tower

Am Abend zollen wir Morpheus Tribut.

Aus meiner kleinen Suite muss ich nur den Kopf herausstrecken und nach links blicken, schon zeigt sich der Bosporus von seiner schönsten Seite! Dieses berauschende Panorama setzt bei mir in diesen Tagen immer wieder gebundene Energie frei.

So auch am nächsten Morgen.

Ein Blick auf das Programm verheißt einen spannenden Tag.
Besichtigung des Galata-Turms, anschließend einige Ausstellungen inklusive einer Biennale im Pera-Museum.
Lunch gibt es im Muutto-Restaurant im angesagten Galata-Port.

Höhepunkt des Tages ist am Abend die Verleihung der ersten Michelin-Sterne an Istanbuler Restaurants.

Unser Guide Yavuz bringt uns nach Beyoğlu, einem beliebten Viertel in Istanbul. Von dort geht es im Licht der Morgensonne zu Fuß weiter. Früher hieß der Stadtteil noch Pera, was so viel bedeutet wie „gegenüber“ (von Konstantinopel). Wir gehen entlang der ehemaligen Grande Rue de Péra (heute İstiklâl Caddesi, die Unabhängigkeitstraße) und passieren verschiedene Botschaften und Luxushotels.
Schon zu der Stunde füllen sich die vielen Gassen mit Leben.
Es sind noch einige Prachtbauten im französischen Stil erhalten, einige davon reinstes Art déco. Beim Versuch einige dieser Kleinode zu restaurieren, wurden viele Villen dabei ihres Charakters beraubt. Schlechte Architekten sind der Todfeind der Ästhetik.

Der Galata-Turm stammt aus der Zeit der Genueser, die das Bauwerk im Jahre 1348 errichteten. Etwas über 100 Jahre später übernahmen die Osmanen die Kontrolle. Von dort aus genießt man den besten Blick auf die Stadt und das Meer. Ich empfehle den Istanbul-Touristen unbedingt den Besuch. Am besten so früh wie möglich, schnell bilden sich nämlich lange Schlangen an den Ticketschaltern.

Mit dem Aufzug und zu Fuß geht auf die Aussichtsplattform, wo sich uns an diesem sonnigen Morgen der Bosporus in seiner ganzen Schönheit präsentiert. Ausgiebig wird fotografiert und gefilmt. Ein strahlend schöner Morgen.

über den Autor

Mathias

Mathias Guthmann schreibt unter anderem für kulinarische Zeitschriften und den Schachsport. Seine Essays, Reiseberichte und Kurzgeschichten haben eine hohe Reichweite und werden in verschiedensten Fachmagazinen, auch international, publiziert. In der freien Wirtschaft berät der Autor eine Firma zu PR-Strategien.

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